Digitalisierung in der Logistik

Grow Digital Blog // 15.11.2019 // 5 Minuten Lesezeit // Christian Thein

 

In meiner täglichen Arbeit geht es häufig darum, Daten auszuwerten. Das ist gut so, denn es hilft enorm, den Status quo möglichst genau zu skizzieren. Um ein Stimmungsbild der Logistikbranche und deren Haltung zur Digitalisierung zu ermitteln, hat der Digitalverband Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V.) eine Studie erstellt. 514 Logistikunternehmen ab 50 Mitarbeitern nahmen daran teil. Die Ergebnisse der Studie – also der digitale Status quo in der Logistik – lassen tief blicken. Denn es zeichnen sich klare Trends ab, die die Auswirkung der Digitalisierung in ein neues Licht rücken.

Der Stellenwert von Digitalisierung in der Logistik

Wie wichtig ist die Aufgabe Logistik Digitalisierung?

Die Branche bebt und Digitalisierung bringt den Seismografen ganz schön in Bewegung. Neben steigenden Treibstoffpreisen und hohen Mautkosten stellt vor allem die Digitalisierung eine Vielzahl der Logistik- und Transportbetriebe vor enorme Herausforderungen. Bei der Frage „Was sind die aktuell größten Herausforderungen im Bereich Logistik für Ihr Unternehmen?“ landet die Aufgabe „Digitalisierung der Logistik“ mit 79 % an dritter Position. Nur steigende „Treibstoffkosten“ (91 %) und „Mautkosten“ (82 %) sind größere Herausforderungen für Logistiker. Ich halte es für sehr beachtlich, dass lediglich zwei Kostenfaktoren, die in jüngerer Vergangenheit hinzugekommen bzw. massiv gestiegen sind, vor der Digitalisierungsaufgabe genannt werden. Selbst die Herausforderungen „Fehlende Fachkräfte“ und „Standortnachteile gegenüber ausländischen Wettbewerbern“ wurden als weniger relevante Aufgaben auf die Plätze 4 und 5 verwiesen.

Hier ist Digitalisierung schon Arbeitsalltag

Was genau unter der Aufgabe „Logistik Digitalisierung“ verstanden wird, fällt oft sehr unterschiedlich aus. Denn Unternehmen können auf sehr individuelle Weise von digitalen Anwendungen profitieren. Vor allem Warehouse-Management-Systeme (74 %) und Sensortechnologien (56 %) sind vielerorts schon Teil der Abläufe und Arbeitsprozesse. Hier gehen Digitalisierung und Logistik bereits Hand in Hand. Weitere digitale Themen sind zwar bereits durchaus verbreitet, spielen aber flächendeckend noch keine Rolle in Logistikunternehmen. Insbesondere dort, wo physische Aufgaben übernommen werden, wie bei „Fahrerlosen Staplersystemen“ (21 %) oder „Lagerrobotern“ (17 %), ist der Verbreitungsgrad noch sehr überschaubar.

Der Fahrplan für die Zukunft

Digitalisierung Logistik, das muss bald kommen.

Spitzenreiter bei den geplanten Maßnahmen sind „Elektronische Frachtbegleitdokumente“ (bei 30 % der Unternehmen geplant) und die Verwendung von Tablets/Smartphones (26 %) im Lager. Beides Fälle, die wir als Unternehmen derzeit häufig und auch immer ähnlich mit bewährten Lösungen optimieren (bspw. KEP-Prozesse, Warenbegleitdokumente). Hier lesen Sie mehr dazu. Aber erst einmal zurück zur Studie. Eines ist sehr auffällig: Beide Maßnahmen haben den gleichen Effekt, nämlich dass sie die Beschleunigung der dokumentgetriebenen Aufwände vorantreiben. Mobiler Zugriff, automatisierte Prozessverwaltung und volldigitale Dokumentenaufbewahrung stehen ganz oben auf der digitalen Wunschliste von Logistikern. Der Plattformgedanke, zu dem ich später komme, unterstreicht diesen flächendeckenden „Paper-2-Digital“-Ansatz.

Auch abstraktere Themen wie KI (71 % der Befragten) oder Big Data Analytics (41 %) will man in naher Zukunft nutzen. Ebenfalls steht die Verarbeitung von Informationen zur vorausschauenden Wartung (25 %) auf dem Programm. Das zeigt eines: Die Branche ist gewillt, sich neuen, teils unbekannten Technologien zu öffnen.

… und was erhofft die Branche sich davon?

Was Unternehmen sich davon versprechen? Das fällt je nach Digitalisierungsgrad und der anstehenden digitalen Agenda sicher sehr unterschiedlich aus. Aber letztlich bringt die Digitalisierung einige Vorteile mit sich. Ob es um die Erweiterung der bestehenden digitalen Anwendungen geht oder um zukünftig geplante Anschaffungen – zu den fünf größten Vorteilen digitaler Anwendungen in der Logistik zählen Unternehmen Folgendes:

Vorteile der Digitalisierung:

  1. Digitalisierung führt zu Zeitersparnis (68%)
  2. Sinkende Fehler- und Ausfallanfälligkeit (43%)
  3. Körperliche Entlastung der Beschäftigtent (35%)
  4. Besserer Service für Endkunden (33%)
  5. Geringer Bedarf an Lagerfläche (31%)

Meine Meinung hierzu: Die Chancen durch Digitalisierung in der Logistik sind immens, wenn man sich die diversen Prozessschritte heute und ihre möglichen digitalen Pendants anschaut. Das beginnt bei der Warenannahme und bei KEP-Prozessen, geht über intelligente Scanprozesse und endet bei der automatischen Rechnungsfreigabe nach Bestellscheinabgleich. Der erhoffte Effekt wird nur dann eintreten, wenn Unternehmen sich ausreichend mit der Frage beschäftigen, welche Technologie eingesetzt werden soll und welche Prozessschritte diese ersetzen sollen. Eine detaillierte Anforderungsskizze und ein klarer Plan sind hierfür entscheidend. Wie wir diese Erfolgsvoraussetzungen gewährleisten, das finden Sie hier: der Grow Digital Process.

In einer Sache sind sich fast alle Logistiker einig:

Der Plattformgedanke setzt sich durch

Eine zentrale Erkenntnis der Studie: Ganze 76 % der Befragten sehen in Plattformen die Technologieform, die in 10 Jahren ihr Unternehmen prägen werden. Digitale Plattformen, wie beispielsweise Services, die freien Lagerplatz oder Platz im Container ermitteln und anbieten, sind bereits bei 23 % im Einsatz und stehen bei weiteren 42 % (!) als potenzielles oder fest geplantes Thema auf der Agenda. Ein klarer, branchenübergreifender Technologiefavorit! Bei solch flächendeckenden Technologietrends muss der Wettbewerb davon ausgehen, dass sich Plattformen mittelfristig als neue Standards etablieren werden. Ein Ausrufezeichen für jeden Logistiker, der aktuell über die Anschaffung einer neuen Technologie nachdenkt. Für uns sind Plattformen ab einer gewissen Unternehmensgröße und Prozesskomplexität ebenso häufig die bessere Wahl. Denn anders als Insellösungen bzw. starre Produkte sind sie nachträglich gut konfigurierbar, simpler um zusätzliche Anwendungen zu erweitern und vor allem können andere Abteilungen schneller und vergleichsweise günstig von derselben Plattform profitieren. Bei einer langfristigen Zukunftsplanung haben Plattformen daher meistens die Nase vorn.

Entdecken Sie Förderprogramme für die Logistik

Wussten Sie bereits, dass Digitalisierungsvorhaben in der Logistik vom Staat gefördert werden? Wir haben einen Katalog erstellt, in dem die für Sie wichtigsten Förderprogramme detailliert aufgelistet werden. Darin bekommen Sie unter anderem Antworten auf die Fragen:

  • Welches Programm gibt's in meinen Bundesland?
  • Wie groß darf ein Unternehmen sein?
  • Welche Fördersumme ist abrufbar?

 

Digitalisierung & Logistik, ihre Zukunftsängste

Die befürchtete Schattenseite digitaler Anwendungen

Ziel der Studie war es auch, die befürchteten Nachteile der Branche zu ermitteln. Angefangen bei der Abneigung, überhaupt loszulegen. Denn leider kosten Veränderungen viel Zeit, die keiner hat, weil jeder bereits voll ausgelastet arbeitet. So gut volle Auftragsbücher sind: Sie beschränken den Raum für Veränderung. Schlechte Erfahrungen mit IT-Projekten tun ihr Selbiges und schaffen statt Aufbruchstimmung eher verschränkte Arme, wenn in der Abteilung die x-te Softwarepräsentation ansteht.

Darüber hinaus gibt es in der Branche Unsicherheiten und Ängste, die mit dem Technologiewandel selbst einhergehen. Drei Dimensionen werden hierbei besonders kritisch betrachtet: Arbeitsplatzverluste bzw. Mangel an digitalen Kompetenzen, Datenschutz und Spionage und hohe Investitionskosten.

Verlieren wir unsere Arbeitsplätze?

In der Bitkom-Studie befürchtet knapp ein Drittel der Logistiker, dass neue Technologien auch ein Knock-out für Arbeitsplätze sind. Das übt einen enormen Druck auf die Projektinhaber aus und verlangt Geschick. Denn letztlich müssen diejenigen, die Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes haben, die neuen Technologien nutzen. Hier sind Fingerspitzengefühl und Aufklärung von Beginn an notwendig. In der Regel sind diese Befürchtungen jedoch unbegründet. Denn anstatt den Job zu verlieren, können Mitarbeiter sich dank Digitalisierung wieder auf werthaltige und profitable Aufgaben konzentrieren.

Datenmissbrauch und kostspieliger Datenschutz

Die Angst vor Datenmissbrauch und vor Spionage geheimer Betriebsdaten teilen sogar 42 %. Die Digitalisierung ist durchaus unübersichtlich und deshalb oftmals beängstigend. Und man liest so einiges, wie neue Technologien auch neue Angriffsflächen schaffen. Aber es gibt auch Antworten und eine Reihe präventiver und reaktiver Sicherheitstechnologien. Sie sind abhängig vom jeweiligen Endgerät und vom Informationsökosystem des Unternehmens auszuwählen. Hier ist man, wie bei der bisherigen Sicherung der IT-Infrastruktur, eben auf Experten-Know-how angewiesen. Die vermuteten „hohen Datenschutzkosten“, wovon 62 % der Befragten ausgehen, können oft schon mit simplen Lösungen umgangen werden – mehr hierzu entdecken. Das Bauchgefühl der Logistiker trügt sie als nicht. Es gibt neue Herausforderungen, aber die Antworten darauf sind da und weniger aufwendig als oft angenommen.

Stehen hohe Investitionskosten an?

53 % aller befragten Unternehmen fürchten die hohen Kosten, die bei einer Implementierung entsprechender Softwarelösungen auf sie zukommen. Wir können Sie beruhigen – langfristig führt die Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen zu enormen Ersparnissen. Die eigentliche Gefahr geht von Projekten aus, für die nicht passende Softwarelösungen eingekauft werden. Man bezahlt nicht nur eine „falsche“ Software, sondern es fallen auch wiederholte Rechercheaufwände an und im schlimmsten Fall werden Mitarbeiter lahmgelegt.

Folglich ist die Angst vor hohen Implementierungskosten zwar nachvollziehbar, aber bei der richtigen Software unbegründet. Eine transparente Rechnung, wie und wo Einsparungen auftreten, finden Sie hier: Digitaler Rechnungseingang.

 

 

Grafik zu potentiellem Zeitersparnis durch digitalen Rechnungseingang

Eine Beispielrechnung zum digitalen Rechnungseingang

Ein Rechnungsbeispiel: Bei wöchentlich 150 Eingangsrechnungen und 3 Minuten pro Rechnung fällt allein fürs Erfassen – ohne Prüfung, Ablage, Verteilung etc. – ein Tag pro Woche bzw. fallen 7,5 Stunden weg. Werthaltige Arbeit sieht anders aus.

Mit digitalem Rechnungseingang und elektronischen Rechnungen benötigen Sie zum Erfassen, Prüfen, Ablegen und Verteilen nur etwa 1 Stunde und 15 Minuten (30 Sek. pro Dokument).

In die Zukunft investieren heißt eigene Mitarbeiter fördern

Digitales Fachpersonal wird immer wichtiger

Hier spricht die Logistikbranche mit einer Stimme: 80 % geben in der Studie an, dass das Fachpersonal mit der entsprechenden Weiter- bzw. Ausbildung rund um Digitalisierung in der Logistik enorm aufgestockt werden muss. Klar, es werden immer weniger mühsame, repetitive Aufgaben zum Alltag gehören. Da ist man sich auch einig. Für 67 % der befragten Unternehmen steht außer Frage, dass durch Digitalisierung in der Logistik Beschäftigte künftig weniger einfache Tätigkeiten verrichten werden. Auf der anderen Seite verlangen neue Aufgaben neue Jobpositionen und somit das passende Personal.

Weiterbildung – der Branchenkanon

In Sachen Weiterbildung waren sich sogar fast alle Befragten einig: 95 % sehen sich in der Verantwortung, ihre Mitarbeiter nicht nur mit neuen Technologien auszustatten, sondern auch stärker digital weiterzubilden. Mehr Digitalkompetenz ist unvermeidbar, denn der Mensch und seine Entscheidungen werden auch zukünftig der kritische Faktor für Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens sein. Deshalb müssen Unternehmen ihre aktuellen Know-how-Träger heute mitnehmen und fördern. Und auch für das Anwerben neuer Mitarbeiter spielt diese Weiterentwicklung eine zentrale Rolle. Modern arbeitende Unternehmen ziehen Berufseinsteiger stärker an.

Um die Digitalkompetenz der Beschäftigten gezielt zu fördern, werden Weiterbildungen und Workshops immer wichtiger. Im Jahr 2019 vermittelten 44 % der Unternehmen Digitalkompetenz an Einzelpersonen. Hinzu kommen 23 %, in denen „alle oder ein Großteil der Mitarbeiter“ gefördert wurden. Also insgesamt mehr als zwei Drittel! Ganze 30 % der Betriebe sahen von entsprechenden Weiterbildungen 2018 ab. Das zeigt deutlich: Nicht nur der Technologiezug rast an manchen Unternehmen vorbei, sondern auch die Erkenntnis, welche Rolle zeitgemäß geförderte Mitarbeiter in zukunftsfähigen Unternehmen spielen. Der Witz daran: Durch solche Fördermaßnahmen wird auch der Stellenabbau verhindert – denn Mitarbeiter mit Digitalkompetenzen sind der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg!

Fazit: Digitalisierung in Logistik & Transport

Alle erkennen den Nutzen, aber nicht alle sind an Bord

Das Wissen um die Vorteile ist da, aber Unsicherheiten und der Mangel an Erfahrung und Wissen bremsen noch aus. Das ist wohl der Normalfall bei solchen geschäftskritischen Veränderungen.

Vorteile Digitalisierung Logistik

Generell zeigte der digitale „Laktattest“ jedoch, dass die Branche die Digitalisierung annimmt. Insbesondere die Themen Plattform, elektronische Warenbegleitdokumente und mobile Gadgets (Tablet/Smartphone) werden die Logistik in naher Zukunft enorm bewegen. Unternehmen, denen das notwendige Know-how und/oder die Manpower für diese Themen (noch) fehlt, müssen in mehr Mitarbeiterkompetenz investieren und sich bis dahin mit Experten, wie den Logistikprofis der TGC, zusammentun.

Finden Sie einen Weg, Ihre Digitalisierungsvorhaben in der Logistik umzusetzen

Wie gut, dass es die TGC gibt, die Sie konsequent und gezielt durch diesen Prozess führt. Kommen Sie auf uns zu – wir helfen Ihnen bei diesem Vorhaben und klären Sie über die Möglichkeiten der Digitalisierung Ihrer Logistik auf.

Christian Thein
Leiter Marketing TGC